Festivalstimmung in Schloss Braunshardt
Die „KulturSzene Braunshardt e.V.“ veranstaltete am 29. August ihr zweites Konzert der Saison
Die Mezzosopranistin Christiane Röder und der Pianist und künstlerische Leiter der „KulturSzene“, Johannes Groß-Hardt, gestalteten ein Lebensbild der letzten Zarin, die eine Schwester des Großherzogs war. Die Sängerin und ihr Begleiter hatten Lieder verschiedener Komponisten zusammengestellt, welche das Leben der Zarin von den Anfängen der ersten Begegnung mit dem noch jungen und zukünftigen Zaren Nikolaus bis zu ihrem tragischen Ende nachzeichneten. Die einzelnen Lieder fügten sich wie ein eigens für diesen Anlass komponierter Liederzyklus zu einem Ganzen. Es wurden von Lieder von Richard Strauß, Gustav Mahler, Franz Liszt, Max Reger, Gabriel Fauré, Edward Elgar, Claude Debussy, Richard Wagner und Henri Duparc dageboten. Der Pianist spielte höchst virtuos „Les jeux d’eau“ von Liszt, sowie mehrere Stücke des russischen Komponisten Gurdijeff.
Der Abend begann mit der Überreichung eines Telegramms, das die Erschießung der Zarenfamilie mitteilte. Im weiteren Verlauf las die Sängerin Auszüge aus Briefen und Tagebüchern der Zarenfamilie zwischen den einzelnen Liedern. Diese Gedanken und Empfindungen führten kurz und eindrucksvoll in das dramatische Geschehen des Abends ein. Während der erste Teil den Beginn der Beziehung und die Heirat schilderte, stellte der zweite Teil den ersten Weltkrieg und seine tragischen Folgen für die Zarenfamilie dar. Die ausgewählten zeitgenössischen Lieder und Klavierstücke vertieften die Gedanken und Gefühle der Hauptpersonen und machten das Publikum für das Schicksal der hessischen Prinzessin betroffen. Ein besondere Authentizität gewann der Abend dadurch, dass Prinzessin Alix, die spätere Zarin, sich in Schloss Braunshardt oft aufgehalten hat.
Die Mezzosopranistin Christiane Röder hat im Hinblick auf die klassische Aufführungspraxis von Liederabend und Oratorien neue Wege beschritten, indem sie halbszenische Lesung mit Gesangs- und Instrumental Stücken verband. Sie konnte mit ihrem warmen und ausdrucksvollen Mezzosopran eine ungewöhnliche Vielzahl von Kompositionsstilen zu einem Ganzen verbinden und verstand es damit die Zuhörer bis zum Schluss zu fesseln.