Gegen das Insektensterben: Blühstreifen statt Grünstreifen in Weiterstadt

Auf dem Kreisel bei Skoda und Dehner ist eine BlumenwieseDas Beispiel des Vogelschutzexperten Peter Berthold wird gerne zitiert: „Früher musste man bei Autofahrten alle 100 Kilometer seine Scheibe von Insekten befreien. Heute vielleicht noch alle 1.000 Kilometer. Daran kann jeder den Rückgang der Insekten erkennen.“

Um dem Insektenrückgang entgegenzuwirken, legt die Stadt Weiterstadt gemeinsam mit dem Naturschutzbund (NABU) bunte Blumenwiesen an. Was früher glatt gemähter Rasen war, ist nun stellenweise eine mit Schafgarbe, Natternkopf und Kornblume bestückte Fläche. Das Bild ist nun anders: Nach der Blüte muss man auch braun gewordene Pflanzenreste akzeptieren, bis die Nachblüte erscheint.

Insekten fühlen sich in diesen Blumenwiesen heimisch – und das ist auch das Ziel: Mehr Insekten durch ein breites Angebot an natürlichen Lebensräumen. Denn die Artenvielfalt und die Anzahl der Insekten nehmen rapide ab, so dass weniger Obstbäume und Feldfrüchte bestäubt werden können. Über ein Drittel der pflanzlichen Lebensmittel werden aber ausschließlich von Insekten bestäubt und können nur so Früchte bilden. Die Stadt Weiterstadt und die NABU-Gruppe wirken deshalb dem Rückgang der Insekten durch Blumenwiesen statt Grünstreifen entgegen.

Am Kreisel in Braunshardt sind ebenfalls Blumen gepflanztDie fleißigsten Bestäuber sind Hautflügler wie Honigbienen oder ihre wilden Schwestern, die Wildbienen. Viele Wildbienen sind spezialisiert, nutzen beispielsweise nur Pflanzen aus der Familie der Lippenblütler. Wenn diese Pflanzen fehlen, geht das Artensterben weiter.

Gemeinsam mit einigen Landwirten hat die hiesige NABU-Gruppe zusätzlich neben Ackerflächen Blühstreifen angelegt. Auch große Firmen wie Skoda und Edeka beteiligen sich und stellen Flächen und Fördermittel zur Verfügung. Die Deutsche Bahn überlässt dem NABU den schmalen Streifen an der Lärmschutzwand in der Kreuzstraße. Hier wachsen nun Borretsch und Sonnenblumen.

Im Herbst sollen am Steinrodsee in Gräfenhausen weitere Projektflächen zwischen Campingplatz und Fischerhütte folgen. Auch hier wird ein Teil der Fläche mit Wiesensaatgut bestückt, ein anderer Teil wird als Liegewiese erhalten bleiben.

Was kann ich tun?

Was kann ich tun? Im privaten Garten kann man darauf achten, möglichst über lange Zeiträume hinweg verschiedene Blütenpflanzen anzubieten, die idealerweise bei uns in Deutschland oder Europa heimisch und somit für unsere Insekten nützlich sind. Der mediterrane Lavendel ist beispielsweise jetzt im sogenannten „Blühloch“ im Sommer eine sehr hilfreiche Pflanze für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Im Herbst helfen Astern und Fette Henne, im Frühling Winterlinge, später Akelei und Glockenblumen. Forsythien blühen zwar früh, sind aber wie beispielsweise Rhododendren und Azaleen für Insekten nicht nutzbar. Hartriegel und Schneeball sind hübsche Alternativen, die gerne von Insekten angeflogen werden. Gefüllte Blüten sind toll anzuschauen, aber können nicht als Pollen- und Nektarspender genutzt werden. Halb- oder ungefüllte Blüten, beispielsweise bei Rosen, Pfingstrosen und Astern, sind besser und meist auch robuster, da sie weniger intensiv gezüchtet sind.

Auf den Einsatz von Giften, seien es Unkrautvernichter oder Insektizide sollte man grundsätzlich verzichten, da diese Mittel nicht nur die Tierwelt, sondern auch Boden und Grundwasser und oftmals durch falsche Anwendung auch den Hobbygärtner negativ beeinflussen.

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