Umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung in Weiterstadt

Aktuelle Strategie gegen Ratten im Kanalnetz

Wer genau hinschaut, entdeckt auf manchen Kanaldeckeln in den Stadtteilen von Weiterstadt kleine farbige Punkte. Diese Markierungen zeigen an: Unter diesem Deckel wird aktuell gegen Ratten vorgegangen. Doch was genau steckt dahinter – und warum?

Die Stadtwerke Weiterstadt haben ihre Strategie zur Schädlingsbekämpfung im vergangenen Jahr überarbeitet. Hintergrund ist eine bundesweite Gesetzesänderung, die den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln neu regelt, darüber haben wir bereits berichtet. In der Vergangenheit wurden zur Bekämpfung von Ratten große Mengen an Gift (bis zu 500 kg pro Jahr) flächendeckend in das Kanalsystem eingebracht. Diese Methode war zwar effektiv, brachte jedoch erhebliche Risiken für Umwelt und Grundwasser mit sich. Bei Starkregenereignissen konnten die Wirkstoffe über Abschlagsbauwerke in die Natur gelangen – die Kläranlage war in diesem Fall nicht in der Lage, diese Stoffe aus dem Wasser zu filtern.

Zudem zeigte sich zunehmend, dass der großflächige Einsatz von Gift zu Resistenzen bei Ratten führte. Die eingesetzten Mittel verloren mit der Zeit ihre Wirksamkeit. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Stadtwerke Weiterstadt für einen nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Weg.

Seit Ende letzten Jahres setzen die Stadtwerke auf ein gezieltes System: Statt massenhaft Gift werden nun 40 spezielle, gesicherte Köderboxen im städtischen Kanalnetz installiert. Diese Boxen ermöglichen eine punktgenaue Bekämpfung von Ratten direkt an ihren Rückzugsorten, ohne dass die Umwelt unnötig belastet wird.

„Durch die gezielte Platzierung der Boxen können wir den Befall besser überwachen und nachhaltiger bekämpfen", erklärt Helge Lemmer, technischer Betriebsleiter der Stadtwerke Weiterstadt. Die Boxen werden regelmäßig kontrolliert und nur dann aktiviert, wenn ein tatsächlicher Befall festgestellt wird.

Ein wichtiger Bestandteil der neuen Strategie ist auch die Aufklärung über die Ursachen von Rattenbefall. Ratten leben zwar im Kanal, suchen ihre Nahrung jedoch meist an der Oberfläche. Häufige Futterquellen sind beispielsweise:

- Fallobst in Gärten und auf Grünflächen

- Vogelfutter, das offen zugänglich ist

- Tierfutter im Freien

- Weggeworfene Lebensmittelreste auf Schulhöfen oder öffentlichen Plätzen

Diese Nahrungsquellen fördern das Wachstum der Rattenpopulation erheblich. Deshalb appellieren die Stadtwerke an alle Bürgerinnen und Bürger: Jede und jeder kann mithelfen, indem keine Essensreste achtlos weggeworfen und Futterquellen vermieden werden.

Eine erfolgreiche Schädlingsbekämpfung funktioniert nur gemeinsam. Denn auch wenn Ratten im Kanal bekämpft werden, leben und fressen sie häufig auf privaten Grundstücken. Laut aktueller Gesetzeslage ist jeder Eigentümer verpflichtet, auf dem eigenen Grundstück für Schädlingsfreiheit zu sorgen – auch das gehört zur kommunalen Verantwortung.

„Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Ratte, die an der Oberfläche unterwegs ist, nicht zwangsläufig in den Kanal kommt, wo sich unsere Köderboxen befinden", so Lemmer weiter. „Deshalb müssen auch an der Oberfläche Maßnahmen ergriffen werden."

Die Stadtwerke werden weiterhin das Kanalnetz regelmäßig überwachen und bei Bedarf gezielt handeln. Mit dieser modernen, ökologisch verantwortungsvollen Strategie geht Weiterstadt einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Schädlingsbekämpfung – im Sinne von Gesundheit, Umwelt und Lebensqualität.

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