Bürgermeister Möller: „Jeder muss Verantwortung übernehmen“

Stadt Weiterstadt schließt alle Einrichtungen und sagt Veranstaltungen ab – Notbetreuung für Kinder wird in die Wege geleitet – Rathaus-Chef appelliert an Bevölkerung

Das Coronavirus hält die Welt, Deutschland und Hessen in Atem. Denn die neuartige Lungenerkrankung hat sich rasant verbreitet. Auch in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg wurden bereits einige Fälle bestätigt - einer davon in Weiterstadt (Stand 18. März 2020, 11 Uhr). Das Land Hessen hatte am vergangenen Freitag in einer Sonder-Kabinettsitzung einschneidende Schritte beschlossen, um die Bevölkerung vor der Erkrankung zu schützen. Dazu zählt, dass vorerst bis zum Ende der Osterferien (19. April 2020) alle Kindertagesstätten geschlossen werden und an allen Schulen vorübergehend keine Schulpflicht mehr besteht.
Es wird lediglich eine Notbetreuung für Kinder angeboten, deren Eltern in bestimmten, systemrelevanten Berufen (z.B. medizinisches Personal und Ärzte) arbeiten. Am vergangenen Sonntag fand dann eine Dienstversammlung mit den Bürgermeistern aller Kommunen im Landkreis statt, die nun die Vorgaben des Landes umsetzen. Am Montagabend verständigten sich Bund und Länder auf weitere drastische Maßnahmen. Zahlreiche Geschäfte und Unternehmen müssen ab Mittwoch bis auf Weiteres schließen, Restaurants dürfen nur bis 18 Uhr geöffnet sein. Nicht schließen werden Geschäfte, die Dinge für den täglichen Bedarf verkaufen (z.B. Supermärkte).

Bevölkerung schützen, öffentliches Leben aufrechterhalten

In Weiterstadt wurden alle öffentlichen Einrichtungen geschlossen und alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. Auch Gremiensitzungen im Rathaus finden bis auf weiteres nicht statt. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 19. April 2020. Zudem wird es vorübergehend keine Jubiläumsbesuche geben. Die Spielplätze in Weiterstadt sind geschlossen, auch Gottesdienste dürfen nicht stattfinden. „Unser oberstes Ziel ist es, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Bevölkerung zu schützen", erläutert Bürgermeister Ralf Möller und ergänzt: „Außerdem ist es unser Ziel, das öffentliche Leben so gut wie möglich aufrechtzuerhalten und bestimmte Verwaltungsdienstleistungen weiterhin anzubieten."
So sind die Kfz-Zulassungsstelle, das Stadtbüro und das Ortsgericht zwar grundsätzlich geschlossen, allerdings sind bei sehr dringenden Anliegen Termine nach vorheriger telefonischer Absprache möglich. Von persönlichen Vorsprachen sollte abgesehen werden, sofern dies nicht zwingend erforderlich ist. Trauungen auf Schloss Braunshardt dürfen stattfinden, allerdings müssen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Gleiches gilt für Bestattungen, für die aber nicht die Trauerhalle genutzt werden darf.
„Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger um Verständnis, dass das öffentliche Leben in den nächsten Wochen erheblich eingeschränkt sein wird", sagt Möller und betont: „Jeder muss jetzt Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, damit sich gerade ältere Menschen nicht mit dem Virus infizieren." Dazu gehöre zum Beispiel, dass man auf Freizeitaktivitäten und private Feiern verzichte, so oft wie möglich zu Hause bleibe und mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Menschen halte, unterstreicht Möller.

Kleine Notgruppen für Kinder

Während sich das staatliche Schulamt derzeit um eine Notbetreuung an den Weiterstädter Schulen kümmert, arbeitet die Stadtverwaltung auf Hochtouren an einem Betreuungskonzept für Kinder bis zwölf Jahren. Die städtischen Einrichtungen wirken dabei mit Krippen und Kitas in freier oder privater Trägerschaft zusammen, um in dieser schwierigen Lage gemeinsam Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Angestrebt wird keine zentrale Notgruppe, sondern mehrere kleine Notgruppen.
Damit das Gesundheitswesen und die Gesellschaft handlungsfähig bleiben, werden bevorzugt Kinder betreut, deren Eltern zum Beispiel als Ärzte oder Bedienstete von Rettungsdiensten arbeiten. „Viele Eltern müssen leider vorübergehend auf einen Betreuungsplatz verzichten. Daher ist es wichtig, dass sich zum Beispiel Nachbarn für die Betreuung anbieten, wenn sie Zeit haben", sagt Möller, betont aber zugleich: „Auf keinen Fall sollte man die Kinder zu den Großeltern schicken, da ältere Menschen besonders gefährdet sind."

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